Das Wichtigste in Kürze
- Bei einseitiger Taubheit ist ein Ohr nahezu oder vollständig taub, während das andere normal oder nur geringfügig eingeschränkt hört.
- Klassische Hörgeräte können das taube Ohr meist nicht ausreichend versorgen, deshalb kommen spezielle Lösungen wie CROS-Systeme, BiCROS-Systeme, Knochenleitungshörsysteme oder ein Cochlea-Implantat infrage.
- Welche Versorgung bei einseitiger Taubheit geeignet ist, hängt unter anderem von der Ursache, der Funktion des Hörnervs und den persönlichen Anforderungen im Alltag ab.
- Eine individuelle Beratung und, wenn möglich, eine Erprobung der Hörgeräte bei einseitiger Taubheit helfen dabei, eine passende Versorgung zu finden.
Was bedeutet einseitige Taubheit genau?
Von einer einseitigen Taubheit spricht man, wenn auf einem Ohr ein Hörverlust von mehr als 90 dB besteht. Das andere Ohr hört dagegen normal oder weist lediglich eine geringgradige Hörminderung auf.
Davon zu unterscheiden ist die asymmetrische Schwerhörigkeit. Hier sind beide Ohren von einem Hörverlust betroffen, allerdings unterschiedlich stark. Die Übergänge können fließend sein. Deshalb kommen einige Versorgungsmöglichkeiten für Hörgeräte bei einseitiger Taubheit auch bei einer ausgeprägten asymmetrische Schwerhörigkeit infrage.
Häufige Ursachen
Eine einseitige Taubheit kann unterschiedliche Ursachen haben. Zu den möglichen Auslösern gehören:
Die genaue Ursache spielt bei der Wahl einer geeigneten Hörversorgung eine wichtige Rolle. Entscheidend ist insbesondere, ob der Hörnerv auf der betroffenen Seite noch funktionsfähig ist. Davon hängt unter anderem ab, welche Hörgeräte bei einseitiger Taubheit beziehungsweise welche anderen Versorgungslösungen infrage kommen.
Die zentrale Herausforderung: Das taube Ohr lässt sich nicht „verstärken“
Bei einer einseitigen Taubheit liegt in den meisten Fällen keine reine Schallleitungsstörung vor. Stattdessen sind das Innenohr oder der Hörnerv so stark geschädigt, dass selbst eine starke akustische Verstärkung keinen nutzbaren Höreindruck mehr erzeugen kann.
Ein klassisches Hörgerät auf dem tauben Ohr ist deshalb in der Regel keine geeignete Lösung. Es würde Geräusche zwar verstärken, dadurch aber das Sprachverstehen nicht verbessern. Hörgeräte bei einseitiger Taubheit müssen daher nach einem anderen Prinzip funktionieren als klassische Hörgeräte für eine beidseitige Schwerhörigkeit.
Grundsätzlich kommen verschiedene Versorgungsstrategien infrage:
Welche dieser Möglichkeiten geeignet ist, hängt unter anderem davon ab, welche Strukturen des Hörsystems noch funktionsfähig sind. Im Folgenden stellen wir die verschiedenen Versorgungsoptionen genauer vor.
1. CROS- und BiCROS-Systeme

Funktionsprinzip
CROS steht für „Contralateral Routing of Signals“ und bezeichnet die Übertragung von Schallsignalen von der tauben auf die hörende Seite. Dafür wird auf der tauben Seite ein kleines Gerät mit Mikrofon getragen. Es nimmt Sprache und andere Geräusche auf und überträgt sie drahtlos an ein Empfangsgerät am hörenden Ohr.
Sie hören damit weiterhin über Ihr funktionsfähiges Ohr. Gleichzeitig erreichen Sie jedoch auch akustische Informationen von der tauben Seite, die Ihnen ohne das CROS-System entgehen würden. Gerade wenn Sie nach Hörgeräten bei einseitiger Taubheit suchen, ist dieses Funktionsprinzip wichtig: Das taube Ohr selbst wird nicht verstärkt, vielmehr werden die dort aufgenommenen Signale auf die hörende Seite umgeleitet.
Eine Variante ist das sogenannte BiCROS-System. Es kommt infrage, wenn auch das bessere Ohr eine Hörminderung aufweist. Das Gerät auf dieser Seite funktioniert dann zusätzlich wie ein klassisches Hörgerät. Es verstärkt die dort eintreffenden Schallsignale und gibt gleichzeitig die von der tauben Seite übertragenen Signale wieder.
Vorteile
Ein wesentlicher Vorteil von CROS-Hörgeräten ist die Verringerung des sogenannten Kopfschatteneffekts. Befindet sich eine sprechende Person auf Ihrer tauben Seite, werden deren Sprachsignale vom Kopf teilweise abgeschirmt und erreichen das hörende Ohr schlechter. Ein CROS-System nimmt diese Sprache auf der tauben Seite auf und überträgt sie direkt zum hörenden Ohr.
Weitere Vorteile sind:
Grenzen
CROS-Systeme können zwar Geräusche von der tauben Seite hörbar machen, sie stellen jedoch kein echtes beidseitiges Hören wieder her. Beide Signale erreichen letztlich dasselbe hörende Ohr. Das Gehirn erhält daher nicht die Laufzeit- und Lautstärkeunterschiede zwischen zwei hörenden Ohren, die für das räumliche Hören wichtig sind. Das Richtungshören bleibt entsprechend eingeschränkt.
Auch in sehr lauten Umgebungen kann es Grenzen geben. Befindet sich beispielsweise eine störende Geräuschquelle auf der tauben Seite, kann auch dieser Schall an das hörende Ohr übertragen werden und das Sprachverstehen erschweren.
Zudem kann die Wahrnehmung zu Beginn ungewohnt sein. Geräusche von der tauben Seite werden plötzlich über das andere Ohr wahrgenommen. Eine sorgfältige Eingewöhnung ist deshalb wichtig.
Beratungshinweis
CROS-Systeme sind häufig eine der ersten Versorgungsmöglichkeiten, die bei einseitiger Taubheit ausprobiert werden. Sie benötigen keine Operation, sind vergleichsweise kostengünstig und lassen sich unkompliziert testen.
Eine mehrwöchige Probephase im persönlichen Alltag ist besonders sinnvoll. Denn wie Hörgeräte bei einseitiger Taubheit wahrgenommen werden, kann individuell sehr unterschiedlich sein. Während einige Menschen die Signalübertragung schnell als Erleichterung empfinden, benötigen andere mehr Zeit für die Eingewöhnung oder empfinden das Prinzip als störend.
2. Knochenleitungshörsysteme
Funktionsprinzip
Knochenleitungshörsysteme nutzen einen anderen Übertragungsweg als klassische Hörgeräte oder CROS-Systeme. Der aufgenommene Schall wird in Vibrationen umgewandelt und über den Schädelknochen direkt zum Innenohr der besser hörenden Seite übertragen. Das Mittelohr wird dabei umgangen.
Bei Hörgeräten bei einseitiger Taubheit macht man sich die sogenannte transkranielle Übertragung zunutze. Vereinfacht gesagt werden Schallsignale, die auf der tauben Seite eintreffen, über den Schädelknochen zur funktionsfähigen Cochlea, also der Hörschnecke im Innenohr, auf der gegenüberliegenden Seite geleitet.
Zu den bekannten Knochenleitungssystemen gehören beispielsweise BAHA, Ponto, ADHEAR und Sophono. Grundsätzlich lassen sich zwei Bauformen unterscheiden:
Perkutane, knochenverankerte Systeme: Bei diesen Lösungen wird ein Titanimplantat operativ hinter dem Ohr im Schädelknochen verankert. Auf diesem Implantat wird anschließend ein externer Soundprozessor getragen.
Transkutane beziehungsweise nicht operative Systeme: Hier werden die Vibrationen durch die intakte Haut übertragen. Je nach System erfolgt dies beispielsweise über ein Klebepad oder ein Magnetsystem. Die Haut muss dabei nicht durchbrochen werden.
Vorteile
Knochenleitungssysteme ermöglichen eine gute Klangqualität bei der Übertragung, da der Schädelknochen Schwingungen effizient weiterleiten kann. Nicht operative Varianten bieten zudem die Möglichkeit, das Prinzip zunächst ohne chirurgischen Eingriff zu testen.
Perkutane Systeme ermöglichen in der Regel eine besonders stabile und starke Signalübertragung. Dies kann beispielsweise bei dickerem Haar oder Gewebe von Vorteil sein. Hinzu kommt, dass die Knochenleitung eine etablierte und seit vielen Jahren erprobte Technologie ist.
Grenzen
Bei implantierbaren Varianten ist ein operativer Eingriff erforderlich. Damit sind entsprechende Risiken verbunden, beispielsweise Infektionen oder Hautreaktionen im Bereich des Implantats. Bei perkutanen Systemen muss außerdem die Stelle, an der das Implantat durch die Haut tritt, regelmäßig gepflegt werden.
Ähnlich wie bei CROS-Systemen entsteht auch durch die Knochenleitung kein echtes beidseitiges Hören. Die Signale werden letztlich von der funktionsfähigen Cochlea der besseren Seite verarbeitet. Eine vollständige binaurale Verarbeitung findet daher nicht statt. Ein gewisses Richtungsgefühl kann sich jedoch teilweise durch feine Unterschiede bei der Schallübertragung entwickeln.
Beratungshinweis
Knochenleitungssysteme können insbesondere dann eine interessante Versorgungsmöglichkeit sein, wenn zusätzlich eine Schallleitungsstörung besteht. Auch für Menschen, die beispielsweise aufgrund vorausgegangener Ohroperationen nicht gut mit einem klassischen CROS-System versorgt werden können, kann diese Lösung infrage kommen.
Bei implantierbaren Hörsystemen für einseitige Taubheit ist eine enge Zusammenarbeit mit einer HNO-Klinik erforderlich. Die medizinische Indikationsstellung und der operative Eingriff erfolgen ärztlich. Der Hörakustiker übernimmt in der Regel die anschließende Anpassung und Feinjustierung des extern getragenen Soundprozessors.
3. Cochlea-Implantat bei einseitiger Taubheit

In den vergangenen Jahren hat sich das Cochlea-Implantat, kurz CI, zunehmend als Versorgungsmöglichkeit bei einseitiger Taubheit etabliert. Es wird insbesondere dann als Option diskutiert, wenn nicht nur Schallsignale von der tauben auf die hörende Seite übertragen werden sollen, sondern wieder ein Höreindruck auf beiden Seiten angestrebt wird.
Funktionsprinzip
Ein Cochlea-Implantat funktioniert grundlegend anders als CROS- und Knochenleitungssysteme. Während diese den Schall zur besser hörenden Seite weiterleiten, stimuliert das CI den Hörnerv auf der tauben Seite direkt mit elektrischen Signalen.
Dafür wird ein Elektrodenarray in die Cochlea, also die Hörschnecke im Innenohr, eingesetzt. Das geschädigte Innenohr wird damit umgangen und der Hörnerv elektrisch angeregt. Auf diese Weise kann auf der zuvor tauben Seite wieder ein Höreindruck entstehen. Dieser ist allerdings nicht mit dem natürlichen akustischen Hören gleichzusetzen.
Vorteile
Das Cochlea-Implantat unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von anderen Hörsystemen bei einseitiger Taubheit: Es ermöglicht potenziell wieder eine beidseitige neuronale Verarbeitung von Schallsignalen.
Dadurch kann sich unter anderem das Richtungshören verbessern. Auch das Sprachverstehen in Umgebungen mit störenden Hintergrundgeräuschen kann profitieren. Anders als bei CROS- oder Knochenleitungssystemen werden die Schallsignale nicht lediglich auf das besser hörende Ohr umgeleitet, sondern es entsteht tatsächlich wieder ein Höreindruck auf der tauben Seite.
Grenzen
Ein Cochlea-Implantat erfordert einen operativen Eingriff und eine anschließende Rehabilitationsphase. Nach der Aktivierung benötigt das Gehirn Zeit, um die neuen elektrischen Signale zu verstehen und richtig zuzuordnen. Die Eingewöhnung und das Hörtraining können daher mehrere Monate dauern.
Zudem eignet sich ein CI nicht für jede Form der einseitigen Taubheit. Eine wichtige Voraussetzung ist ein funktionsfähiger Hörnerv. Bei bestimmten Tumorerkrankungen oder angeborenen Fehlbildungen kann diese Voraussetzung beispielsweise nicht gegeben sein.
Hinzu kommen die vergleichsweise hohen Kosten sowie eine regional unterschiedliche Praxis bei der Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Auch langfristig sind regelmäßige Kontrollen, Wartungen und Software-Updates erforderlich.
Beratungshinweis
Ob ein Cochlea-Implantat infrage kommt, wird in der Regel in einem spezialisierten CI-Zentrum untersucht und entschieden. Häufig wurden zuvor andere Hörgeräte bei einseitiger Taubheit, beispielsweise CROS-Systeme, oder eine Versorgung über Knochenleitung getestet, ohne im Alltag die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.
Insbesondere bei starken Einschränkungen im Alltag, hohen beruflichen Anforderungen an das räumliche Hören oder einem belastenden Tinnitus kann es sinnvoll sein, die Möglichkeit eines Cochlea-Implantats frühzeitig abzuklären. Wir bei Poser Hörgeräte können Sie über die unterschiedlichen Versorgungsprinzipien informieren und bei Bedarf auf die weitere Abklärung in einem spezialisierten CI-Zentrum hinweisen.
Fazit
Eine einseitige Taubheit kann den Alltag deutlich beeinträchtigen. Eingeschränktes Richtungshören, eine höhere Höranstrengung und Schwierigkeiten beim Sprachverstehen in geräuschvollen Situationen können sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld zur Belastung werden.
Mit CROS- und BiCROS-Systemen, Knochenleitungshörsystemen und dem Cochlea-Implantat stehen heute drei unterschiedliche Versorgungswege zur Verfügung. Welche Lösung am besten geeignet ist, hängt von der Ursache und Ausprägung der Taubheit, den anatomischen und medizinischen Voraussetzungen sowie Ihren persönlichen Anforderungen und Zielen ab. Auch die Frage, ob ein operativer Eingriff infrage kommt, spielt bei der Entscheidung eine wichtige Rolle.
Gerade deshalb gibt es bei Hörgeräten bei einseitiger Taubheit keine Lösung, die gleichermaßen für jeden Menschen geeignet ist. Eine sorgfältige und ergebnisoffene Beratung ist entscheidend. Bei nicht invasiven Lösungen kann zudem eine Erprobung im eigenen Alltag helfen, die persönlichen Vorteile und Grenzen besser einzuschätzen.
Wir bei Poser Hörgeräte beraten Sie individuell zu den Möglichkeiten der Hörversorgung bei einseitiger Taubheit. In unseren Fachgeschäften in Berlin-Mariendorf und Berlin-Buckow können wir gemeinsam mit Ihnen prüfen, welche Hörlösung zu Ihren persönlichen Hörsituationen passt.
FAQ















