Das Wichtigste in Kürze
- Eine Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) betrifft die zentrale Hörverarbeitung, nicht das Hörvermögen selbst.
- Betroffene können normal hören, haben aber Schwierigkeiten, Sprache und Geräusche richtig zu verstehen und einzuordnen.
- Die Ursachen sind vielfältig und reichen von frühkindlichen Mittelohrentzündungen bis hin zu neurologischen Entwicklungsfaktoren. Eine gezielte Therapie mit Logopädie, Ergotherapie oder Hörtraining kann die Hörverarbeitung deutlich verbessern.
- Spezielle technische Hilfen, wie Mikroport-Systeme oder sogenannte AVWS Hörgeräte, erleichtern das Sprachverstehen in lärmintensiven Umgebungen erheblich.
- Bei Poser Hörgeräte beraten wir Sie individuell zu modernen Lösungen und begleiten Sie auf dem Weg zu besserem Hören und Verstehen.
Was ist AVWS?
Eine Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) bezeichnet eine Störung der zentralen Hörverarbeitung. Menschen mit AVWS hören in der Regel normal, haben jedoch Schwierigkeiten, das Gehörte richtig zu verarbeiten und zu verstehen. Das bedeutet, dass die Ohren zwar gut funktionieren, das Gehirn die akustischen Informationen aber nicht zuverlässig interpretiert.
Diese Störung kann sowohl Kinder als auch Erwachsene betreffen und äußert sich häufig in Situationen, in denen viele Hintergrundgeräusche vorhanden sind. Betroffene haben dann Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen oder bestimmte Wörter zu unterscheiden. Auch das Lernen, insbesondere das Verstehen gesprochener Anweisungen, kann dadurch erschwert werden.
Welche Symptome treten bei einer AVWS auf?
Eine Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung kann sich auf sehr unterschiedliche Weise äußern und zeigt sich bei jedem Menschen etwas anders. Häufig fällt auf, dass Betroffene oft nachfragen, obwohl der Hörtest unauffällig ist. Besonders in lauter Umgebung oder bei Hintergrundgeräuschen bereitet das Verstehen gesprochener Sprache große Schwierigkeiten. Auch ähnlich klingende Laute wie „p“ und „b“ werden leicht verwechselt, was das Sprachverständnis zusätzlich erschwert.
Oft ist das Hörgedächtnis eingeschränkt, sodass Gehörtes nur schwer behalten oder mündliche Anweisungen nicht vollständig umgesetzt werden können. Hinzu kommen häufig Konzentrationsprobleme, vor allem bei längeren Gesprächen oder Aufgaben, die aktives Zuhören erfordern. Manche Betroffene empfinden bestimmte Geräusche als übermäßig laut oder unangenehm, während andere Schwierigkeiten haben, die Richtung einer Schallquelle zu bestimmen. Auch beim Lesen oder Sprechen können Auffälligkeiten auftreten, etwa ein monotoner Sprachrhythmus oder ein verlangsamtes Lesetempo.
Welche Ursachen liegen einer AVWS zugrunde?
Die genauen Ursachen einer Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung sind bis heute nicht vollständig erforscht. Fachleute gehen davon aus, dass verschiedene Faktoren zusammenspielen können, die die Entwicklung der zentralen Hörverarbeitung beeinflussen. Häufig wird beobachtet, dass Kinder, die im frühen Alter wiederholt an Mittelohrentzündungen litten, ein erhöhtes Risiko für eine AVWS haben. Durch die zeitweise eingeschränkte Hörwahrnehmung kann das Gehirn lernen, akustische Informationen weniger präzise zu verarbeiten.
Auch neurologische Entwicklungsverzögerungen können eine Rolle spielen, ebenso wie Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt, etwa eine kurzzeitige Unterversorgung mit Sauerstoff. Darüber hinaus wird eine genetische Veranlagung diskutiert, die die Reizverarbeitung im Hörzentrum beeinflussen könnte.
Neben biologischen Ursachen können auch Umweltfaktoren eine AVWS begünstigen, beispielsweise, wenn Kinder in einer besonders sensiblen Phase ihrer Sprachentwicklung zu wenig sprachliche Anregung oder Reize erhalten.
Diagnostische Verfahren bei AVWS
Die Diagnose einer Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung ist komplex und erfordert ein interdisziplinäres Vorgehen. In der Regel arbeiten dabei spezialisierte Fachkräfte wie Phoniater, Pädaudiologen oder erfahrene Logopädinnen und Logopäden eng zusammen, um ein möglichst genaues Bild der individuellen Hörverarbeitung zu erhalten.
Am Anfang steht eine ausführliche Anamnese, in der unter anderem die Sprachentwicklung, der Schulverlauf und mögliche Auffälligkeiten beim Hören oder Lernen erfasst werden. Anschließend wird durch Hörtests überprüft, ob das periphere Hören, also die Funktion der Ohren, unauffällig ist. Erst wenn sich hier keine Störungen zeigen, wird weiterführend die zentrale Hörverarbeitung untersucht.
Dazu kommen spezielle psychoakustische Testverfahren zum Einsatz, die gezielt prüfen, wie das Gehirn akustische Informationen verarbeitet. Ergänzend werden Sprachverständnis- und Merkfähigkeitstests durchgeführt, um die Fähigkeit zur Speicherung und Verarbeitung gehörter Inhalte zu bewerten.
Wichtig ist zudem der Ausschluss anderer Ursachen, etwa einer Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) oder einer Lese-Rechtschreib-Schwäche, da diese ähnliche Symptome zeigen können.
Behandlungsmöglichkeiten bei AVWS
Da die Ursachen einer Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung im Gehirn liegen und noch nicht vollständig erforscht sind, ist eine vollständige Heilung derzeit nicht möglich. Dennoch gibt es wirkungsvolle Ansätze, um die Hörverarbeitung zu verbessern und Betroffene im Alltag gezielt zu unterstützen. Mit einem individuell abgestimmten Hörtraining, therapeutischen Maßnahmen und moderner audiotechnologischer Unterstützung können deutliche Fortschritte erzielt werden.
Zu den bewährten Behandlungsformen zählen Ergotherapie, Logopädie und Motopädagogik. In der Ergotherapie wird gezielt an der Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit gearbeitet, um die Verarbeitung von Hörreizen zu trainieren. Die Logopädie unterstützt vor allem die sprachliche Entwicklung und das Sprachverständnis. Dabei lernen Kinder, Geräusche, Laute und Wörter besser zu unterscheiden und zuzuordnen. Die Motopädagogik wiederum verknüpft Bewegung mit Wahrnehmung und fördert so die ganzheitliche Verarbeitung von Sinneseindrücken.
Versorgung mit Hörgeräten bei einer AVWS

Bei einer Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung liegt keine klassische Hörminderung vor. Menschen mit AVWS können in der Regel normal hören, die Schwierigkeiten entstehen bei der Verarbeitung der gehörten Informationen im Gehirn. Daher sind herkömmliche Hörgeräte in diesen Fällen nicht hilfreich. Dennoch gibt es technische Lösungen, die Betroffene gezielt unterstützen können.
Mehrere Hörgeräte-Hersteller, darunter Phonak, haben spezielle Mikroport-Systeme entwickelt, die das Sprachverstehen in herausfordernden Hörsituationen deutlich verbessern. Diese Systeme, oft als AVWS Hörgeräte bezeichnet, bestehen aus einem kleinen Sender und einem passenden Empfänger. Der Sender wird beim Sprechenden, beispielsweise bei Lehrkräften, angebracht. Die Stimme wird dann direkt und klar an den Empfänger übertragen, den das Kind im Ohr trägt. So gelangt das Gesprochene ohne störende Umgebungsgeräusche zum Ohr, was das Verstehen im Unterricht oder bei Gruppenaktivitäten erheblich erleichtert.
Ein solches Mikroport-System kann unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse übernommen werden, wenn die Notwendigkeit durch pädaudiologische Tests bestätigt wurde. Für Eltern bedeutet das eine große Unterstützung im Schulalltag, da Kinder mit AVWS dadurch konzentrierter zuhören und besser am Unterricht teilnehmen können.
Bei Poser Hörgeräte beraten wir Sie ausführlich rund um das Thema AVWS Hörgeräte in Berlin. In unseren Fachgeschäften in Berlin-Mariendorf und Berlin-Buckow zeigen wir Ihnen, welche technischen Lösungen verfügbar sind, wie Mikroport-Systeme funktionieren und welche Voraussetzungen für eine Kostenübernahme erfüllt sein müssen.
Unser Ziel ist es, dass Kinder und Erwachsene mit einer AVWS dank moderner Hörtechnik ihren Alltag leichter meistern und wieder Freude am Zuhören finden.
Wenn Sie sich für AVWS Hörgeräte in Berlin interessieren, besuchen Sie uns gerne, wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen und unterstützen Sie auf dem Weg zu mehr Hör- und Lebensqualität.
















